Abitur am Wirtschaftsgymnasium: In Distanz gut vorbereitet

Northeim. An allen niedersächsischen Schulen schrieben gestern Schüler des diesjährigen Abiturjahrganges im Fach Deutsch die Abiturklausur, so auch am Northeimer Wirtschaftsgymnasium. Insgesamt 50 Schülerinnen und Schüler nahmen an der Northeimer Schule teil an dieser Prüfung teil, unter ihnen Viktoria Fix und Mehmet Köse. Für sie war dies bereits die dritte von insgesamt vier Klausuren. Die Erfahrungen sind bislang trotz der Corona-Pandemie, die sie in den drei Schulhalbjahren vor ihrem Abitur belastete, sehr positiv:

„Die vergangenen Monate waren für uns alle eine besondere Herausforderung“, reflektiert Viktoria Fix diese Zeit. „Der ständige Wechsel zwischen Distanzlernen und Präsenzunterricht, als auch das Wegfallen von gemeinsamen Aktivitäten hat uns nicht nur schulisch, sondern auch mental zu schaffen gemacht. Aber durch die gute Kooperation zwischen Lehrern und Schülern ist es uns gelungen, sich bestmöglich auf das Abitur vorzubereiten.“ Mehmet Köse kommt zu einer ähnlichen Einschätzung: „Anfangs hatte ich Bedenken, als angekündigt wurde, dass wir uns auf das Abitur im Distanzlernen vorbereiten sollen, jedoch wurde mir schnell das Gegenteil bewiesen. Mit der Integrität und Kompetenz unserer Lehrer konnten wir Schüler uns bestens für die derzeit noch laufenden Abiturprüfungen vorbereiten, auch wenn ein Großteil des Unterrichts im ‚Lernen zu Hause‘ stattfand. Durch die hervorragende Kommunikation, trotz Internetprobleme vieler Schüler, konnten wir uns jederzeit an einen Lehrer wenden und unsere Fragen stellen, welche meistens schnell beantwortet werden konnten.“

Dies deckt sich auch mit dem allgemeinen Eindruck, den Studiendirektor Peter Fiebag, zuständiger Koordinator für das Berufliche Gymnasium an der BBS 1, bisher gewonnen hat. Er habe trotz der extrem hohen Belastung der Schülerinnen und Schüler und des Kollegiums eine gute Zusammenarbeit zwischen allen beobachtet. Im Vorfeld wurde in den Medien viel über die vom Niedersächsischen Kultusministerium kurzfristig aufgehobene Corona-Testpflicht diskutiert. An der Northeimer Europaschule war das Abschaffen der Testpflicht im Abitur auf weitgehendes Unverständnis im Abiturjahrgang und bei den Lehrkräften gestoßen. Um ihre Gesundheit besorgte Schüler und Eltern machten zum Teil sehr heftig ihrer Verärgerung über die ministeriale Verfügung Luft. Und mancher Kollegin und manchem Kollegen, so Peter Fiebag, stand die Angst vor den Prüfungsaufsichten ins Gesicht geschrieben, da zusätzlich auch keine Maskenpflicht besteht. Doch während der bisherigen Prüfungen zeigten sich alle sehr diszipliniert. „Natürlich haben wir gemäß den geltenden Vorschriften niemanden zum Testen verpflichtet, aber unsere Schüler haben das freiwillige Testangebot ausnahmslos angenommen. Schließlich dient der Test ihrer eigenen und auch der Sicherheit aller nahen Kontaktpersonen“, berichtet Fiebag von den getroffenen Sicherheitsvorkehrungen. Bisher gebe es glücklicherweise auch keine positiven Testungen auf das Coronavirus unter den angehenden Abiturientinnen und Abiturienten der BBS 1 Northeim. Der Pädagoge hofft, dass dies bis zum 11.05. auch so bleiben werde, dem Termin der letzten Abiturklausur im Hause.

Für den Abschluss des Schuljahres wünschen sich Schüler wie Lehrer nach einem hoffentlich reibungslosen Ablauf aller Prüfungen vor allem eines: einen angemessenen feierlichen Rahmen für die scheidenden Schülerinnen und Schüler: „Wenn man drei Jahre gemeinsam hart für das Ziel gearbeitet hat, das mit dem Abitur dann erreicht ist, hat man auch eine würdevolle Feier verdient!“, meint Studienrätin Hiltraud Huchthausen, die Leiterin des Jahrganges. Eine Abiturfeier möchte die Schule den Abiturienten unbedingt ermöglichen – sofern dies dann die aktuelle Coronasituation erlaube. „Dafür bin ich vorsichtig optimistisch“, so Huchthausen, „denn der Impffortschritt nimmt jetzt spürbar an Fahrt auf. Und darauf hoffen wir!“

 

Hintergrundinformation

In den meisten Prüfungsfächern werden niedersachsenweit einheitlich in allen gymnasialen Oberstufen Zentralabiturklausuren geschrieben.  In diesem Jahr lagen einer der Schwerpunkte auf dem Humanitätsideal der Weimarer Klassik. Anhand Goethes Drama „Iphigenie auf Tauris“ (1787) und Schillers Abhandlung „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ wurde das Weimarer Kunstprogramm reflektiert, aber auch die Frage gestellt, warum die Ideen der Weimar Klassik die unmenschliche Diktatur des Nationalsozialismus nicht verhindern konnte.

Im zweiten Zentralabiturthema setzten sich die Gymnasiasten mit der aktuellen Entwicklung im Journalismus und den Veröffentlichungen im Internet auseinander. Der Umgang der Medien mit Fake News, Propagandajournalismus sowie Lügenpresse-Vorwürfen, aber auch der rasanten Veränderung in Schnelligkeit und Weitreiche der Informationsverbreitung und dem Vertrauen in die klassischen Medien wie der Tageszeitung stand hierbei im Fokus.

Zudem behandelten die Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrganges Lyrik aus verschiedenen Epochen.