Monetary Policy Workshop am Northeimer Wirtschaftsgymnasium

Fabian Gieseke (Deutschen Bundesbank) im bilingualen Unterricht

Er kam direkt von der Deutschen Bundesbank in den bilingualen Volkswirtschaftsunterricht: Fabian Gieseke, Mitarbeiter des Stabs des Präsidenten der Hauptverwaltung in Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. In dem von ihm geleiteten englischsprachigen Workshop „Monetary Policy“ übernahmen die Schülerinnen und Schüler den Job von Christine Lagarde – Präsidentin der Europäischen Zentralbank – und mussten über die zukünftige Zinspolitik der EZB im Euro-Raum entschieden.

„Wir hatten die Aufgabe, uns in Zweierteams einen Überblick über die Indikatoren einer wirtschaftlichen Situation zu verschaffen,“ erzählt Paul Brinkmann aus dem 12. Jahrgang des Beruflichen Gymnasiums Wirtschaft Northeim. „Darauf aufbauend sollten wir zuvor gelernte Methoden anwenden und somit entscheiden, ob und in welcher Form wir die vorgegebene Situation mit einem Heben oder Senken von Zinsraten der Europäischen Zentralbank (EZB) in eine positive Richtung beeinflussen können“. Seine Mitschülerin Binia Grösche beschreibt die Problemlage: Im Euro-Raum sei zu viel Geld im Umlauf gewesen „und meine Gruppe musste entscheiden, ob wir den Leitzins senken, erhöhen oder gleich lassen. Anfangs war es nicht leicht, sich zu entscheiden. Schwierigkeit war, dass die Inflation steigt, wenn wir den Leitzins senken und die Inflation sinkt, wenn wir den Leitzins erhöhen. Hätten wir den Zinssatz weder gesenkt noch erhöht, hätte sich nichts verändert. Am Ende haben wir uns dafür entschieden, dass wir den Leitzins erhöhen und somit auch die Inflation reduzieren. Die EZB hatte real dieselbe Entscheidung wie wir getroffen.“

Foto 1: Alle sechs Wochen tritt der EZB-Rat zu einer geldpolitischen Sitzung zusammen. Anschließend steht EZB-Präsidentin Christine Lagarde der Presse Rede und Antwort. Binia Grösche (links), unterstützt von Kevin Kern, nahm die Rolle der EZB-Chefin ein und erläuterte auf Englisch die Beschlüsse.

Da die Wirtschaftsgymnasiasten bereits zuvor in ihrem Kurs Themen wie die Auswirkungen einer inflationären Entwicklung intensiv bearbeitet hatten, konnten sie, so Paul Brinkmann, ihr recht breit gefächertes Wissen weiter vertiefen und offene Fragen von einem Wirtschaftsexperten der Bundesbank erklären lassen. Im kommenden Jahr wird Geldpolitik ein Schwerpunkt des Abiturs im Fach Volkswirtschaft sein, und so war die Expertise des Wirtschafts- und Finanzfachmanns Fabian Gieseke für den Abiturjahrgang 2023 ein wichtiger Baustein, um die eigenen Kompetenzen zu erweitern.

Studienrätin Lara Pingel, die den englischsprachigen Kurs unterrichtet, ist von den Ergebnissen des eintägigen Workshops beeindruckt: „In der simulierten Pressekonferenz der EZB haben sich die Projektteams den kritischen Fragen der Reporter gestellt und sie souverän beantwortet“, und dies, obwohl die Geschäftssprache während des einführenden Vortrags und des Workshops Englisch war. „Für uns ist die englische Sprache, im allgemeinen und wirtschaftlichen Sinne, in fast allen Gesprächen und Schreibaufgaben keine Hürde mehr“, stellt Paul Brinkmann rückblickend fest. „Das liegt daran, dass wir seit Anfang der elften Klasse durchgehend daran gewöhnt worden sind, in allen möglichen Situationen die englische Sprache zu verwenden. Also haben wir, bis auf wenige Vokabeln, alle Inhalte im Workshop verstehen können. Wenn trotzdem Probleme mit der Sprache auftraten, war das nicht schlimm, da wir unsere Fachlehrerin Frau Pingel und den Leiter des Workshops immer fragen konnten.“

Foto 2: Am Ende des Workshops präsentierten die Projektteams ihre Ergebnisse in einer simulierten Pressekonferenz der EZB. Von links: Paul Brinkmann und Louis Thiedmann.

Dem Northeimer „Wirtschaftsgymnasium“ sei wichtig, gerade nach den vielen unterrichtlichen Beeinträchtigungen während der Corona-Pandemie, jetzt Möglichkeiten verstärkt wieder zu nutzen, Experten direkt in die Schule zu holen, erläutert Studiendirektor Peter Fiebag, unser Koordinator des Beruflichen Gymnasiums. Über Angebote für Betriebsbesichtigungen oder für dreiwöchige Praktika in Auslandsdependancen südniedersächsischer Unternehmen für Gymnasiasten, die das Europäische Wirtschaftsdiplom erwerben möchten, würde sich die BBS 1 Northeim freuen.  

Fotos: © BBS 1 Northeim/L. Pingel

—————————————————————————————————–

Zusatzinformation: Business-Kompetenz „EUROPA“ am Northeimer BG

Am Beruflichen Gymnasium Wirtschaft Northeim kann das Fach Volkswirtschaft sowohl deutschsprachig als auch englischsprachig gewählt werden. Alle Schülerinnen und Schüler, die den bilingualen Kurs belegen, können zudem das Europäische Wirtschaftsdiplom (European Business Baccalaureate Diploma) erwerben, ein Exzellenzlabel im Bereich der internationalen Wirtschaft, mit den Kriterien Europa, Wirtschaft, Mobilität. Dieses EBBD wird in sieben europäischen Ländern vergeben, in Niedersachsen von vier Schulen, wozu unsere Northeimer Europa-Schule gehört. Die Teilnahme bereitet die Schülerinnen und Schüler auf die politischen, sozialen und vor allem wirtschaftlicher Entwicklungen und sich daraus ergebenden Herausforderungen in einem vereinten Europa durch Mobilitätsbereitschaft, umfangreiche Soft Skills und Business-Kompetenz mit internationalen Geschäftsfragen vor. Das EBBD-Portfolio wurde speziell unter Berücksichtigung dieser Kompetenzen entwickelt und unterstützt die europäische Wirtschaft durch die Ausbildung hochqualifizierter Arbeitskräfte. Die Absolventinnen und Absolventen erhalten ein international anerkanntes Zertifikat, das die Vorbereitung auf ein Studium mit internationaler Ausrichtung bescheinigt.